Am 10. Dezember 2025 stellte die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen eine Keine Anfrage im Deutschen Bundestag (Drucksache 21/3208), in der sie die wachsende Abhängigkeit der medizinischen Forschung in Deutschland von US-amerikanischen Informationsinfrastrukturen thematisiert. Hintergrund sind politische und finanzielle Unsicherheiten in den USA sowie konkrete Ausfälle zentraler Dienste wie PubMed, die die Notwendigkeit resilienter, europäischer Alternativen unterstreichen. Insbesondere geht die Anfrage auf die Rolle von ZB MED und das Projekt OLSPub ein, das den Aufbau einer offenen, ausfallsicheren Rechercheplattform für die medizinische Forschung zum Ziel hat.
Die Bundesregierung hat diese Anfrage beantwortet (Drucksache 21/3562). Die folgende Kommentierung ergänzt und korrigiert die Antworten der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage basierend auf den Erfahrungen und Erkenntnissen von ZB MED mit dem OLSPub-Projekt sowie aktuellen Entwicklungen in der US-amerikanischen Wissenschaftspolitik.
Frage 1: Risikoeinschätzung
Wie schätzt die Bundesregierung die Risiken ein, die sich aus der unsicheren Finanzierung und den politischen Prioritäten der US-Wissenschaftspolitik für die Verfügbarkeit und Verlässlichkeit zentraler medizinischer Rechercheinfrastrukturen (z. B. PubMed, ClinicalTrials.gov) in Deutschland ergeben?
Antwort der Bundesregierung:
Die Bundesregierung konstatiert, dass „bislang keine signifikanten Ausfälle oder Einschränkungen zu verzeichnen sind“ und verweist auf das IQWiG-Positionspapier, wonach „die spürbaren Auswirkungen für die Literaturrecherche sowie die Vertrauenswürdigkeit der Datenbanken bisher geringfügig seien.“
Ergänzung/Korrektur ZB MED:
Diese Einschätzung unterschätzt die strukturellen Risiken. Zudem plädiert auch das IQWiG-Positionspapier dafür sich aus dieser Abhängigkeit zu lösen. Die aktuellen Entwicklungen in der US-amerikanischen Wissenschaftspolitik zeigen systematische Muster, die über technische Ausfälle hinausgehen.
Inhaltliche Eingriffe und politische Instrumentalisierung:
- Zugangsbeschränkungen: Im April 2025 blockierte die NIH den Zugang zu mehreren Datenbanken für Forschende aus bestimmten Ländern (China, Russland, Iran, Nordkorea) (fiercebiotech.com: ). Das demonstriert, dass geopolitische Erwägungen unmittelbaren Einfluss auf die Verfügbarkeit wissenschaftlicher Infrastruktur nehmen können.
- Löschung wissenschaftlicher Inhalte: Seit Januar 2025 wurden mehr als 8.000 Webseiten US-amerikanischer Behörden offline genommen oder deren Inhalte erheblich reduziert, einschließlich wissenschaftlicher Ressourcen (Wikipedia). Diese systematische Löschung dokumentiert, wie schnell jahrzehntelange wissenschaftliche Arbeit aus dem öffentlichen Raum verschwinden kann.
- Zurückziehung von Publikationen: Das CDC ordnete im Februar 2025 die Rücknahme oder Aussetzung bereits zur Publikation angenommener Forschungsmanuskripte an (climate.law.columbia.edu), was Fragen zur Vollständigkeit und Integrität der PubMed-Indexierung aufwirft.
- Systematischer Rückzug aus internationaler Kooperation: Im Januar 2026 kündigte die US-Regierung den Austritt aus 66 internationalen Organisationen an (NPR), darunter UN-Einrichtungen in den Bereichen Gesundheit und Wissenschaft.
- Änderungen von Inhalten der CDC-Webseite, die u.a. zu Verbreitung von Desinformation führt (z.B. die wissenschaftlich widerlegte Verbindung von Impfungen und Autismus)
Die strukturellen Risiken werden durch die geplante Reorganisation der NLM verschärft – siehe hierzu die Antwort zu Frage 2.
Frage 2: Finanzierungsinformationen
Welche Informationen liegen der Bundesregierung über die aktuelle und zukünftige Finanzierung von PubMed und ClinicalTrials.gov durch die US-Regierung vor?
Antwort der Bundesregierung:
Über die allgemein zugänglichen Informationen zu den Budgetkürzungen durch die US-Administration hinaus liegen der Bundesregierung keine belastbaren Informationen über die aktuelle oder zukünftige Finanzierung von PubMed oder ClinicalTrials.gov durch die US-Regierung vor.
Ergänzung/Korrektur ZB MED:
Die fehlende Transparenz ist Ausdruck des strukturellen Problems. Öffentlich zugängliche Dokumente zeigen jedoch besorgniserregende Entwicklungen:
- Konsolidierung der NLM: Der FY 2026 Budgetvorschlag sieht vor, die National Library of Medicine (NLM) in das National Institute of General Medical Sciences (NIGMS) zu integrieren (NLM Congressional Justifications). Eine derartige Restrukturierung birgt das Risiko, dass spezialisierte Funktionen wie PubMed an Priorität verlieren.
- Vakante Führungspositionen: Die NLM wird seit Oktober 2023 durch einen Acting Director geleitet. Die unbesetzte Direktorenposition und zahlreiche weitere Vakanzen deuten auf strukturelle Schwächung hin.
- NIH-Budgetkürzungen: Das Weiße Haus hat eine 40%ige Kürzung des NIH-Gesamtbudgets vorgeschlagen (von 47 auf 29 Milliarden Dollar), was zwangsläufig Personal- und Ressourcenengpässe bei allen NIH-Instituten, einschließlich der NLM, zur Folge hätte.
Diese Entwicklungen unterstreichen die Notwendigkeit einer eigenständigen europäischen Backup-Lösung.
Frage 3: Strukturierter Austausch mit US-Behörden
Findet ein strukturierter Austausch mit US-Behörden (z. B. National Institutes of Health, National Library of Medicine) statt, um frühzeitig über Änderungen in der Finanzierung oder Struktur von PubMed oder ClinicalTrials.gov informiert zu werden, und wenn ja, in welchem Rahmen, und mit welchen Informationspflichten (z. B. zu technischen Ausfällen oder Finanzierungsentscheidungen)?
Antwort der Bundesregierung:
Auf Regierungsebene besteht zwischen der Bundesregierung und den US-Behörden kein von offiziellen Informationspflichten begleiteter Austausch bezüglich möglicher Änderungen in der Finanzierung oder Struktur von PubMed oder ClinicalTrials.gov.
Ergänzung/Korrektur ZB MED:
Das Fehlen offizieller Informationspflichten unterstreicht die Notwendigkeit eines unabhängigen Monitorings.
Frage 4: Monitoringsystem
Plant die Bundesregierung ein Monitoringsystem, um Risiken durch US-amerikanische Finanzierungsentscheidungen systematisch zu erfassen, deren Auswirkungen auf deutsche Forschungseinrichtungen zu bewerten und daraus rechtzeitig konkrete Gegenmaßnahmen abzuleiten?
Antwort der Bundesregierung:
Auf Regierungsebene ist derzeit kein entsprechendes Monitoring-System vorgesehen. Der Austausch mit der Wissenschaftscommunity zu dieser Thematik erfolgt auch über die Taskforce ‚Datensicherung und Datensouveränität‘.
Ergänzung/Korrektur ZB MED:
Der Aufbau eines solchen Monitoring-Systems wäre als verteilte Aufgabe bestehender Infrastruktur koordiniert durch die Nationale Plattform für Forschungssicherheit aus unserer Sicht ein sehr sinnvoller Beitrag.
ZB MED hat mit Pubservatory ein Werkzeug entwickelt, das derzeit als Beta-Version verfügbar ist. Aktuell dokumentiert Pubservatory:
- Neu eingespielte Publikationen in PubMed
- Gelöschte oder entfernte Einträge
Die Weiterentwicklung hin zu einem umfassenden Monitoring-System (Performance-Metriken, Verfügbarkeit, Ausfallzeiten) erfolgt aufgrund unzureichender personeller Ressourcen nur langsam.
Frage 5: PubMed-Ausfall März 2025
Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zum Ausfall von PubMed im März 2025 vor (Ursache, Dauer, Auswirkungen), und welche Maßnahmen wurden ergriffen, um die Informationsversorgung deutscher Forschungseinrichtungen während des Ausfalls sicherzustellen?
Antwort der Bundesregierung:
Die Literaturdatenbank PubMed war am 1. März 2025 kurzfristig nicht erreichbar. Ab dem 2. März 2025 stand der Dienst wieder wie gewohnt zur Verfügung. Der Bundesregierung liegen keine Informationen zu den Gründen des Ausfalls vor. Da über andere Plattformen (z. B. die vollständige Bestandsspiegelung über Europe PMC sowie das Suchportal LIVIVO der ZB Med) die bisherigen Inhalte von PubMed gesichert und für Literatursuchen erreichbar sind, hat die Bundesregierung keine weiteren Maßnahmen zur Sicherstellung der Informationsversorgung deutscher Forschungseinrichtungen während der Ausfallzeit ergriffen. Im Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 1 verwiesen.
Ergänzung/Korrektur ZB MED:
Die NLM erklärte den Ausfall als geplante Servermigration und bezeichnete diesen als normale technische Maßnahme. Der Vorfall illustriert jedoch die fundamentale Abhängigkeit der biomedizinischen Forschung von einer einzelnen zentralisierten Infrastruktur:
- Technische Vulnerabilität: Ein einzelner Serverausfall führt zum kompletten Verlust des Zugangs – es existiert keine redundante Infrastruktur.
- Mangelnde Vorwarnung: Deutsche und europäische Forschungseinrichtungen wurden nicht proaktiv informiert, was die fehlende Kommunikationsstrategie für europäische Nutzer verdeutlicht.
Die genannten Alternativen weisen strukturelle Limitierungen auf:
- Europe PMC: EMBL-EBI verfügt nicht über die notwendigen Vereinbarungen mit kommerziellen Verlagen zur Einspielung von Metadaten aktueller Publikationen inkl. Abstract. Europe PMC ist eine Spiegelung (Mirror) ohne Möglichkeit, aktuelle Inhalte bereitzustellen.
- LIVIVO: Bietet Metasuche über verschiedene Quellen, stellt aber keine vollständige Alternative zu PubMed dar und ist ebenfalls auf die Verfügbarkeit der PubMed-Daten angewiesen.
Ein vollwertiges Backup-System muss die Fähigkeit umfassen, Daten zu aktuellen Publikationen eigenständig bereitzustellen – genau dies unterscheidet das OLSPub-Konzept von bestehenden Spiegelungsansätzen.
Fragen 6-8: Maßnahmen und Förderung
Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung seit März 2025 ergriffen, um die Abhängigkeit von US-amerikanischen Datenbanken zu reduzieren und die Souveränität der deutschen Forschungsinfrastruktur zu stärken, und wie bewertet sie deren Wirksamkeit?
Welche kurzfristigen Fördermaßnahmen (einschließlich Projektförderung oder Pilotinitiativen) sieht die Bundesregierung vor, um offene, verlässliche Datenbanken aus Deutschland oder der EU zu stärken und Ausfälle internationaler Datenbanken abzufedern?
Inwiefern werden bei geplanten kurzfristigen Fördermaßnahmen der Bundesregierung Aspekte der digitalen Souveränität und Open-Source-Infrastruktur besonders mitbedacht?
Antwort der Bundesregierung:
Die Fragen 6 bis 8 werden im Zusammenhang beantwortet. Es wird auf das in der Vorbemerkung der Bundesregierung dargestellte Förderprogramm zur Unterstützung von Datenrettungsmaßnahmen verwiesen. Die ersten Anträge befinden sich in der Begutachtungsphase. Die Bundesregierung sieht ein wissenschaftsgeleitetes Verfahren zur Mittelvergabe als wichtiges Element der Qualitätssicherung an. Zur Koordinierung mittelfristiger Maßnahmen und der Gewährleistung eines kontinuierlichen Informationsaustausches hat sich aus Sicht der Bundesregierung die insbesondere seitens der Forschungseinrichtungen befürwortete Einrichtung einer Taskforce als zielführend erwiesen.
Ergänzung/Korrektur ZB MED:
Das angesprochene wissenschaftsgeleitete Verfahren führte zur Ablehnung des RESILMED-Projekts (siehe Frage 11). Eine Überprüfung der aktuellen Förderkriterien erscheint angezeigt, da sie möglicherweise kontraproduktiv zu den erklärten Zielen digitaler Souveränität wirken.
Frage 9: Förderinstrumente und Haushaltsmittel
Welche konkreten Förderinstrumente oder Haushaltsmittel sind von der Bundesregierung im Haushalt 2025 und 2026 für den Aufbau, die Verstetigung und die Sicherung nationaler oder europäischer Datenbankstrukturen vorgesehen (bitte jeweils mit Verpflichtungsermächtigungen auflisten)?
Antwort der Bundesregierung:
Die Bundesregierung hat im Haushaltsjahr 2025 für den Auf- und Ausbau von Dateninfrastrukturen als Sofortmaßnahme im Rahmen einer zeitlich befristeten Sonderfinanzierung an die Deutsche Forschungsgemeinschaft e. V. zur Sicherung wichtiger Forschungsdatenbestände Haushaltsmittel in Höhe von insgesamt ca. 30 Mio. Euro bereitgestellt, davon Verpflichtungsermächtigungen in Höhe von 15 Mio. Euro für das Jahr 2026 und 14 Mio. Euro für das Jahr 2027.
Ergänzung/Korrektur ZB MED:
Diese Mittel sind konzeptionell für kurzfristige Datenrettung ausgelegt, nicht für den Aufbau nachhaltiger Infrastruktur. RESILMED/OLSPub wurde im Rahmen dieses Programms begutachtet und abgelehnt (siehe Frage 11). Für die Etablierung einer dauerhaften europäischen Alternative wären zusätzliche, auf Nachhaltigkeit ausgerichtete strukturelle Fördermittel erforderlich.
Frage 10: Cybersicherheitsstrategie
Welche Vorkehrungen bestehen im Rahmen der Cybersicherheitsstrategie des Bundes für Forschungseinrichtungen, um Ausfälle oder Angriffe auf zentrale wissenschaftliche Datenbanken zu verhindern, Schäden zu minimieren und gerade den Schutz sensibler Daten angemessen zu gewährleisten, insbesondere im Hinblick auf medizinische und gesundheitswissenschaftliche Datenbanken?
Antwort der Bundesregierung:
Die Cybersicherheitsstrategie des Bundes enthält keine spezifische Einzelmaßnahme für die genannte Thematik. Sicherungen erfolgen als Maßnahmen des jeweiligen Forschungsbereichs.
Ergänzung/Korrektur ZB MED:
Das Fehlen spezifischer Maßnahmen unterstreicht die Notwendigkeit robuster europäischer Backup-Infrastrukturen als eigenständige Resilienzstrategie. Zu erwägen wäre die systematische Einbindung existierender Expertise im Bereich sichere Gesundheitsdateninfrastruktur.
Relevante Expertise bei ZB MED:
ZB MED koordiniert seit 2020 das NFDI4Health-Konsortium – die Nationale Forschungsdateninfrastruktur für personenbezogene Gesundheitsdaten. Diese Koordinationsrolle umfasst:
- Aufbau technischer Infrastruktur für sichere, datenschutzkonforme Gesundheitsdaten (Health Study Hub)
- Entwicklung von Standards für Forschungsdatenmanagement und FAIR-Data-Prinzipien
- Zusammenarbeit mit der Medizininformatik-Initiative (MII) und dem Netzwerk Universitätsmedizin (NUM)
- Engagement im European Health Data Space (EHDS) und der European Open Science Cloud (EOSC)
Diese langjährige Erfahrung mit sicheren, datenschutzkonformen Gesundheitsdateninfrastrukturen könnte für die Konzeption resilienter Backup-Systeme für PubMed nutzbar gemacht werden.
Frage 11: Unterstützung für OLSPub
Inwiefern unterstützt die Bundesregierung das Projekt OLSPub der ZB MED finanziell oder organisatorisch oder plant, dies künftig zu tun?
Antwort der Bundesregierung:
Das Projekt OLSPub der ZB Med wird aktuell im Rahmen der Fördermaßnahme der DFG begutachtet.
Ergänzung/Korrektur ZB MED:
Der DFG-Antrag für OLSPub sowie RESILMED (reduzierte OLSPub-Variante) wurde abgelehnt.
Projektinformationen:
- Projektwebsite
- Projektantrag OLSPub
- Ablehnung OLSPub (November 2025): Berichterstattung Deutsches Ärzteblatt
- Ablehnung RESILMED (Dezember 2025): Berichterstattung Pharmazeutische Zeitung
Begründung der Ablehung:
- Fehlende Zusammenarbeit mit EMBL-EBI (European Molecular Biology Laboratory – European Bioinformatics Institute)
- Fehlende Kooperation mit der National Library of Medicine (NLM)
Kritische Bewertung dieser Begründung:
- EMBL-EBI verfügt nicht über die erforderlichen Vereinbarungen für die Bereitstellung der Metadaten für aktuelle Verlagspublikationen. Eine Kooperation würde das zentrale Problem – die Bereitstellung von aktuellen Inhalten – nicht lösen.
- Die NLM ist Teil des Risikoszenarios, nicht Teil der Lösung. Die Organisation befindet sich in einer Reorganisation mit ungewissem Ausgang (siehe Frage 2). Die Forderung nach Kooperation mit der NLM als Voraussetzung für eine europäische Alternative erscheint widersprüchlich.
- Die Ablehnung steht möglicherweise im Widerspruch zum Ziel digitaler Souveränität. Echte Unabhängigkeit erfordert eigenständige europäische Lösungen, die nicht von der Kooperationsbereitschaft der problembehafteten Akteure abhängig sind.
Frage 12: Einbindung in EOSC
Plant die Bundesregierung, OLSPub in europäische Forschungsinfrastrukturen einzubinden (z. B. European Open Science Cloud (EOSC))?
Antwort der Bundesregierung:
Die Bundesregierung bringt sich aktiv in Diskussionen auf europäischer Ebene ein, um nachhaltige Datensouveränität und -resilienz herzustellen. Dies geschieht konkret über das Steering Board der European Open Science Cloud (EOSC), über die ERA Forum Subgroup on the Global Approach to Research and Innovation sowie langfristig politisch über den Ausschuss für den europäischen Forschungsraum (ERAC). Welche konkreten Maßnahmen in die Überlegungen einfließen, wird im Sinne eines wissenschaftsgeleiteten Verfahrens sondiert.
Ergänzung/Korrektur ZB MED:
Die EOSC-Einbindung war integraler Bestandteil des OLSPub-Konzepts. Die Ablehnung von RESILMED/OLSPub verhindert aktuell diese europäische Integration.
Frage 13: Beteiligung an Europe PMC und CTIS
In welcher Form (finanziell, personell, politisch) beteiligt sich die Bundesregierung an der Weiterentwicklung und Förderung von Europe PMC (PubMed Central), CTIS (Clinical Trials Information System) und anderen offenen, europäischen Infrastrukturen?
Antwort der Bundesregierung:
Europe PMC wird am European Bioinformatics Institute des European Molecular Biology Laboratory (EMBL-EBI) in Hinxton, UK betrieben. EMBL ist eine zwischenstaatliche Einrichtung mit Hauptsitz in Heidelberg und weiteren Standorten in Europa. EMBL finanziert sich aus öffentlichen Beiträgen der Mitgliedstaaten sowie in geringerem Umfang aus Drittmitteln und sonstigen Einnahmen. Deutschland zählt zu den größten Beitragszahlern unter den insgesamt 29 Mitgliedstaaten. Das Informationssystem für klinische Prüfungen (Clinical Trials Information System, CTIS) gemäß Artikel 81 der Verordnung (EU) Nr. 536/2014 wurde von der Europäischen Arzneimittelagentur (European Medicines Agency, EMA) in Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten und der Kommission errichtet und wird von der EMA betrieben und aus dem Haushalt der EMA finanziert. Die Bundesregierung begrüßt die Initiativen zur Weiterentwicklung und stetigen Verbesserung von CTIS, beispielsweise die Initiative „Accelerating Clinical Trials in the EU“ der Europäischen Kommission, der EMA und dem Netzwerk der Leiterinnen und Leiter der nationalen Zulassungsbehörden im europäischen Wirtschaftsraum (Heads of Medicines Agencies), in dem sich auch die deutschen Bundesoberbehörden – das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte und das Paul-Ehrlich-Institut – aktiv einbringen.Drucksache 21/3562– 6 Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Die Bundesregierung unterstützt finanziell darüber hinaus in der Gesundheitsforschung u. a. folgende europäische Infrastrukturen des europäischen Strategieforums für Forschungsinfrastrukturen (ESFRI): ELIXIR, EU-OPENSCREEN ERIC: European Infrastructure of Open Screening Platforms for Chemical Biology, INSTRUCT-ERIC, BBMRI-ERIC: Biobanking and Biomolecular Resources Research Infrastructure, INFRAFRONTIER: Infrastructure for FRONTIER research in mouse disease models.
Ergänzung/Korrektur ZB MED:
Trotz erheblicher deutscher Finanzierung kann Europe PMC keine vollwertige PubMed-Alternative darstellen (siehe oben). Die Investition in EMBL-EBI ist wissenschaftspolitisch wertvoll, ersetzt jedoch nicht die Notwendigkeit eines eigenständigen Systems mit Lösung für aktuelle Publikationen (wie bei ZB MED gegeben).
Frage 14: Europäische Metadatenbank
Plant die Bundesregierung, auf europäischer Ebene den Aufbau einer gemeinsamen, offenen Forschungsinfrastruktur (z. B. einer europäischen Metadatenbank analog zu PubMed Central) anzuregen oder zu fördern, und welche Schritte wurden dazu bereits unternommen bzw. sind geplant?
Antwort der Bundesregierung:
Die Bundesregierung befindet sich hierzu im Austausch mit verschiedenen Stakeholdern.
Ergänzung/Korrektur ZB MED:
OLSPub/RESILMED repräsentiert exakt diesen Ansatz – eine offene, europäische Infrastruktur für biomedizinische Literatur.
Anzumerken: ZB MED als federführende Institution für OLSPub wurde nach bisherigem Kenntnisstand weder in die erwähnten Stakeholder-Konsultationen einbezogen noch über konkrete Planungen informiert.
Es wäre zu erwägen, den Austausch mit Stakeholdern in konkrete Fördermaßnahmen zu überführen und/oder ZB MED als Ansprechperson in den Lebenswissenschaften für die geplante nationale Plattform für Forschungssicherheit mit einzubeziehen. Der OLSPub Antrag hat explizit die Zusammenarbeit mit den Stakeholdern und den Fachcommunitys auf verschiedenen Niveaus vorgezeichnet.
Frage 15: Umstellung ‚Latest Literature‘ und Zeitschriftenauswahl
Liegen der Bundesregierung Informationen über die angekündigte Umstellung von „Latest Literature“ zu „PubMed Updates“ vor, und welche Auswirkungen dieser Umstellung erwartet die Bundesregierung auf die Nutzbarkeit für deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler?
Antwort der Bundesregierung:
Im Frühjahr 2025 hat die National Library of Medicine (NLM) den bisherigen Bereich „Latest Literature“ auf der PubMed-Startseite durch die Sektion „PubMed Updates“ ersetzt. Statt neuer Journal-Zitationen werden hier nun PubMedbezogene Hinweise angezeigt (z. B. Entwicklungs-Updates und andere ServiceInformationen). Die bisherige Funktionalität, Hinweise auf neue Artikel zu erhalten, kann auf andere Weise weiter genutzt werden.
Ergänzung/Korrektur ZB MED:
Neben der Umstellung des Interfaces sind strukturellere Änderungen zu verzeichnen:
Auflösung des Literature Selection Technical Review Committee (LSTRC):
Im Jahr 2025 wurde das LSTRC aufgelöst (NLM Technical Bulletin). Dieses Gremium war seit 1987 für die Bewertung und Auswahl neuer Zeitschriften für die MEDLINE-Indexierung zuständig.
- Bisheriger Prozess: 15 Expert:innen (PhD/MD-Forschende, Mediziner:innen, medizinische Bibliothekar:innen) trafen sich dreimal jährlich zur Bewertung von Zeitschriftenanträgen.
- Neuer Prozess: Ersetzt durch „mindestens zwei externe Berater“ (ein Wissenschaftler, ein Bibliothekar). Der Entscheidungsprozess ist nun weniger transparent.
- Status: Die NLM kündigte im September 2025 an, „mehr Informationen in den kommenden Monaten“ bereitzustellen. Bisher erfolgte keine weitere Kommunikation zum neuen Verfahren.
Auswirkungen:
- Die Aufnahme neuer Zeitschriften in MEDLINE/PubMed erfolgt derzeit nach unklaren Kriterien.
- Die Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Qualitätssicherung hat sich verringert.
Diese Entwicklungen illustrieren die fehlende Kontrolle über kritische Forschungsinfrastruktur und unterstreichen die Notwendigkeit europäischer Alternativen.
Zusammenfassung und Empfehlungen von ZB MED
Die Antworten der Bundesregierung dokumentieren:
- Politische Anerkennung der Problemlage
- Bereitschaft zu finanziellen Investitionen (30 Mio. € DFG-Programm)
- Jedoch: Diskrepanz zwischen politischen Zielen und deren Umsetzung durch Ablehnung konkreter Lösungsansätze
Identifizierte systemische Spannungsfelder:
- Die Ablehnung von RESILMED aufgrund fehlender Kooperationen mit EMBL-EBI und NLM (obwohl solche Kooperationen bestehen) erscheint möglicherweise kontraproduktiv zum Ziel digitaler Souveränität
- EMBL-EBI kann die Bereitstellung neue Publikationen strukturell nicht lösen
- Die NLM befindet sich selbst in einer Reorganisation und ist Teil des Risikoszenarios
- Pubservatory als existierendes Monitoring-Tool findet bislang keine strukturelle Förderung
- Jedweder Aufschub von Entscheidungen und Maßnahmen stellt ein erhebliches Risiko für die digitale Souveränität und die Verfügbarkeit eines funktionalen Systems dar. Im schlimmsten Fall kann dies bei Verlusts zu milliardenschweren Ausfällen in Forschung und Industrie kommen, sowie medizinische Arbeit massiv einschränken/behindern. Die Investition, dieses Risiko abzufedern, ist dagegen verschwindend klein.
Zu erwägende Maßnahmen:
- Überprüfung der DFG-Förderkriterien: Es wäre zu erwägen, ob technische Realisierbarkeit und strategische Notwendigkeit stärker gewichtet werden könnten gegenüber formalen Kooperationsanforderungen
- Strukturelle Förderung von Pubservatory als evidenzbasiertes Monitoring-System
- Direkte politische Unterstützung für OLSPub/RESILMED außerhalb der DFG-Verfahren
- Einbeziehung von ZB MED in Stakeholder-Konsultationen zu europäischer Forschungsinfrastruktur / nationaler Plattform für Forschungssicherheit
Kontakt:
Dr. Miriam Albers
Prof. Dr. Konrad Förstner
Prof. Dr. Dietrich Rebholz-Schuhmann
ZB MED – Informationszentrum Lebenswissenschaften
Gleueler Str. 60
50931 Köln


